
Roman Weidenfeller:
KARRIERE
Zwei Bänderverletzungen in Schulter und Knie sorgten dafür, dass Roman Weidenfeller in der Spielzeit 2007/2008 zu nur 14 Einsätzen kam und so die zweite Krise seiner Karriere meistern musste, nachdem er zwischen Januar und Oktober 2004 kurzzeitig seinen Status als „Nummer eins“ verloren hatte. Aus dieser Situation ging Weidenfeller seinerzeit gestärkt hervor. Zwei Mal hintereinander (04/05 und 05/06) war er in den Augen der kicker-Redakteure der (Noten-)beste Torhüter der Fußball-Bundesliga. Und trotz einer schwierigen Saison beim BVB hielt er sich auch 2006/2007 in den Top Five und war zugleich mit einem Notenschnitt von 2,93 der mit deutlichem Abstand beste Borusse im Kader.
„Weidenfeller, der in seinen Anfangsjahren beim BVB nicht unumstritten war, gehört zu den anerkannten Führungskräften seines Klubs. Er gilt als Garant für Sicherheit und Stabilität“, schrieb damals der kicker über den mittlerweile 28-Jährigen, der das ABC des Fußballs „von meinem Vater zu Hause bei uns auf der Wiese beigebracht bekommen“ hat. „Dort“, so Weidenfeller, „habe ich früh gelernt, sicher den Ball zu fangen. Später haben wir dort etliche schweißtreibende Sonderschichten geschoben.“
Weidenfellers erster Verein waren die Sportfreunde Eisbachtal. Im Alter von 16 Jahren wagte der gelernte Bürokaufmann den Sprung zum 1. FC Kaiserslautern und unterschrieb dort 1998 seinen ersten Profivertrag. Im gleichen Jahr hatte er bei der A-Junioren-WM auf sich aufmerksam gemacht, spielte bei diesem Turnier in Ägypten groß auf und wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Nach sechs Bundesliga-Einsätzen wechselte er im Sommer 2002 zum BVB, wo er zunächst die Nummer zwei hinter Nationaltorwart Jens Lehmann war und diesen nach einer langwierigen Verletzung im letzten Saisonviertel 2002/2003 ablöste.
Die Leistungen des jungen Torhüters waren so nachhaltig, dass ihn der damalige Trainer Matthias Sammer nach Lehmanns Wechsel im Sommer 2003 zu Arsenal London zur Nummer eins beim BVB erklärte, ihm aber bereits in der folgenden Winterpause das Vertrauen entzog. Sportlich gab es dazu eigentlich keinen Grund, doch Sammer wollte eine durch Verletzungen dezimierte Elf durch einen erfahrenen Torhüter (Guillaume Warmuz) aufrichten.
Am 23. Oktober 2004, nach 25 Spielen auf der Bank, gab ihm der auf Sammer folgende BVB-Coach Bert van Marwijk eine zweite Chance. Und Weidenfeller nutzte sie. „Er ist unglaublich gut, und er wird immer besser. Viel besser geht nicht mehr“, attestierte seinerzeit ein staunender Trainer. Zwei Mal (im März und Mai 2005) wurde Weidenfeller zum „Bundesliga-Spieler des Monats“ gekürt. Im Juli 2005 verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis zum 30. Juni 2009.
Nach der von Rückschlägen geprägten Saison 2007/2008 hofft der Zerberus, dass „ich mit Verletzungen für die nächsten Jahre ausgesorgt habe“ – und dass er seinen Beitrag dazu leisten kann, dass „wir so viele Spiele wie möglich gewinnen“.
STÄRKEN
Als zuverlässiger, willensstarker und leistungsstabiler Ballfänger hat sich Weidenfeller etabliert. Sein Ehrgeiz ist sein Markenzeichen. Er ärgert sich nach wie vor über jedes Gegentor im Training. „Bei mir besteht keine Gefahr, dass ich überheblich werde oder denke, dass jetzt alles von alleine geht“, sagt er. Mit Torwart-Trainer Teddy de Beer legt er regelmäßig Zusatzschichten ein, um die wenigen noch vorhandenen Schwächen auszumerzen. Diese taxiert er „im Stellungsspiel“ und bei Abschlägen „mit dem rechten Fuß“. Auf der Linie ist der 28-Jährige ein „Riese“, reaktionsschnell wie nur wenige andere, überragend längst auch in Eins-gegen-Eins-Duellen.
SAISON-RÜCKBLICK
Nur in seiner ersten Saison beim BVB, als er als 22-Jähriger hinter Nationaltorhüter Jens Lehmann die Nummer zwei im Dortmunder Tor war (elf Bundesliga-Einsätze), kam Weidenfeller seltener zum Einsatz. Lediglich 14 Mal konnte er in der zurückliegenden Spielzeit sein Können unter Beweis stellen. Drei Spiele verpasste er in der Hinrunde aufgrund einer Sperre, in der Rückrunde fehlte er komplett: Zunächst wegen einer in der Winterpause operierten Bänderverletzung in der Schulter, die er sich bereits am sechsten Spieltag in Berlin zugezogen hatte, dann setzte ihn unmittelbar vor dem avisierten Comeback ein Innenbandteilriss im Knie (zugezogen am 12. April 2008 im Training) außer Gefecht. Bei seinen 14 Bundesliga-Einsätzen wehrte Weidenfeller 52 von 82 Torschüssen ab; die Quote von 63,4 Prozent wird dadurch relativiert, dass Nationalkeeper Robert Enke (Hannover, 66,7%) im Ranking nur zwei Plätze höher notiert ist, laut kicker-Sportmagazin aber drittbester Torwart im vergangenen Spieljahr war.