Alles rund um den BVB - DEDE

 

KARRIERE

"Diesen Tag werde ich nicht vergessen", sagte Dede am 23. Oktober 2007. Doch der in Brasilien geborene Ballzauberer hielt nicht etwa einen Pokal oder einen neuen Vertrag in Händen, sondern einen neuen Ausweis: Leonardo De Deus Santos ist mittlerweile Deutscher. Damit ist für ihn sogar ein Einsatz in der DFB-Elf möglich, mit der er vor der WM 2002 kokettiert hatte. Zwar hat der seit Jahren zum Kreis der besten Linksverteidiger der Liga zählende Publikumsliebling ein A-Länderspiel für Brasilien (gegen Ungarn) bestritten, doch dieses schließt einen künftigen Einsatz für Deutschland nicht aus, weil es sich um ein Freundschaftsspiel und keinen offiziellen FIFA-Wettbewerb gehandelt hatte.

Seit 1998 lebt Dede in Deutschland und spielt im elften Jahr für Borussia Dortmund. "Mein erstes Spiel war gegen Stuttgart. Das war kein guter Tag, ich habe mich nach fünf Minuten verletzt und musste vom Platz", erinnert sich der 30-Jährige: "Danach kam eine super Zeit, in der es richtig Spaß gemacht hat. Privat hatte ich jedoch zunächst viele Probleme." 289 Bundesliga-Partien stehen mittlerweile zu Buche. Er ist damit der Brasilianer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen aller Zeiten, nachdem er Giovane Elber abgelöst hat. In der Bundesliga hat nur ein Ausländer öfter für einen einzigen Verein gespielt: Doch auch Zvonimir Soldo (301 Spiele für den VfB Stuttgart) kann von Dede in dieser Saison abgelöst werden.

Dabei hatte der Publikumsliebling vor der Saison 2007/2008 mit einem Wechsel zu AS Rom geliebäugelt. "Da hat alles gepasst, das sage ich ganz offen: Ein großer Verein in Italien, ein neues Land und die Möglichkeit, wieder Champions League zu spielen. Auch das Finanzielle wäre perfekt gewesen." Doch Dede entschied sich auf sanftem Druck zum Bleiben – und sah dies schnell als richtige Entscheidung an: "Geld ist wichtig, aber wie meine Fans hier reagiert haben, hat mich beeindruckt. Durch die Sache mit der Roma habe ich gemerkt, dass die Menschen hier mich wirklich lieben."

Aufgewachsen ist er in der Industriemetropole Belo Horizonte, mit 2,2 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt des riesigen Landes, mit Slums und Favelas. Aber ihr Name bedeutet eben auch "schöner Horizont", und zu Beginn der 1990er, als Dede im Teenager-Alter war, wurde sie von der UNO zur "Großstadt mit der besten Lebensqualität in Lateinamerika" gekürt. Aus dem kleinen, trickreichen Jungen, der im Alter von vier Jahren mit dem Fußballspielen begann, wurde alsbald ein Abwehrspieler, den Experten im Jahre 1997 zum zweitbesten Außenverteidiger wählten. Dede wurde anschließend in die Olympia-Auswahl Brasiliens berufen. Ein Jahr später wechselte er nach Europa – als 20-Jähriger zum BVB. Gleich in seiner ersten Spielzeit bestritt er 23 Partien und wurde vom kicker zum "Gewinner der Saison" in seinem Team erhoben.

Trotz seiner Jugend übernahm Dede das Kommando – und nicht nur auf dem Platz. Er half den Brasilianern, die nach ihm zum BVB kamen (Evanilson, Amoroso, Ewerthon, Tinga) bei der Eingewöhnung und versuchte, ihnen den deutschen Sinn für Disziplin näher zu bringen. "Bei uns zu Hause ist die Mentalität eine andere", sagt er: "Aber in Deutschland lernt man Pünktlichkeit. Das sieht man ja an mir." Er gilt innerhalb der Mannschaft als ein unbestrittener Führungsspieler, der bereits mehrfach die Kapitänsbinde trug. "Ich bin stolz, als Brasilianer einen großen deutschen Klub wie den BVB auf das Feld führen zu dürfen", sagt er.

STÄRKEN

Er ist enorm ballsicher, zweikampfstark und beim Spiel auf engstem Raum nur schwer vom Leder zu trennen. Sowohl in der Offensive als auch in der Defensive ist er im Dribbling-Duell kaum zu schlagen. Dede ist zudem ein exzellenter Vorbereiter, der mit seinem harten Schuss auch selbst den Abschluss sucht.

SAISON-RÜCKBLICK

Er bereitete elf Tore vor – ligaweit einzig Diego (13) und Marcelinho (zwölf) mehr. In den letzten 15 Jahren schaffte kein anderer Abwehrspieler so viele Torvorlagen in einer Saison. Dede hatte die meisten Ballkontakte (im Schnitt 85 pro 90 Minuten) und schlug mit großem Abstand die meisten Flanken beim BVB (99), von denen sechs zu Treffern führten (ligaweiter Bestwert). Dede riss mit seinen weiten Pässen quer über den Platz immer wieder Lücken in den Deckungsverbund der Gegner: Er schlug die meisten langen Pässe aller Feldspieler, von denen überragende 55 Prozent zum Mitspieler kamen. Er entschied 68 Prozent der Zweikämpfe für sich: Das war Spitze beim BVB und Ligaspitze unter den Außenverteidigern der Liga.
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