KARRIERE
Manch einer traute seinen Ohren kaum, als Mats Hummels bei seiner Präsentation in Dortmund erklärte: „Ich weiß, dass es hier schon vier Innenverteidiger gibt. Aber es gibt auch zwei Plätze zu vergeben.“ Markante Worte für einen 19-Jährigen, der gerade auf Leihbasis aus Bayern nach Westfalen gewechselt war. Nach der ersten Rückrunde wunderte sich niemand mehr über das mutige Statement des jungen Verteidigers. Denn mit guten und konstanten Leistungen hat Hummels seinen Worten Taten folgen lassen und sich einen Platz in der Viererkette erkämpft.
Geboren wurde Mats Julian Hummels in Bensberg bei Köln. Seit seinem siebten Lebensjahr spielte er für Bayern München, wo sein Vater als „Junioren-Trainer für die unteren Bereiche“ tätig ist. Was nur wenige wissen: Zu Beginn seiner Karriere spielte Mats Hummels noch im Sturm und schoss nach eigener Aussage „Tore am Fließband“. Doch dass die Qualitäten in der Defensive noch größer waren, erkannten Vater Hermann und die verantwortlichen Trainer schon früh. Nach und nach schulten sie Mats zu einem variablen Abwehrspieler um. Heute ist er sowohl als „Sechser“ vor der Abwehr als auch in der Viererkette einsetzbar. Nicht umsonst bezeichnet ihn Michael Zorc als „eines der größten deutschen Abwehrtalente“.
Während der Saison 2005/2006 wurde Mats Hummels von Hermann Gerland zum ersten Mal in die Regionalligamannschaft des FC Bayern berufen. Zum 1. Januar 2007 erhielt er nach starken Auftritten einen Profivertrag. Sein Bundesligadebüt für die Bayern gab er am letzten Spieltag der Saison 2006/2007 gegen den FSV Mainz.
Doch nach dem rasanten Aufstieg drohte die Karriere zu stagnieren. Denn der endgültige Durchbruch wollte Hummels bei den Bayern-Profis nicht gelingen. Zu groß und zu namhaft war die Konkurrenz in der Defensive. Keinen einzigen Einsatz konnte Hummels in der Hinrunde der vergangenen Saison für die Münchener in der ersten Liga verzeichnen. Ein Problem war die fehlende Anerkennung. Hummels: „Bei Bayern war ich ein Jugendspieler, der in der ersten Mannschaft mittrainieren durfte, aber in der Regionalliga spielen musste.“ Selbst hohes Engagement und viel Einsatz im Training hätten ihm wenig genutzt. Ein Wechsel in ein anderes Umfeld war daher die logische Folge. Da ein Verkauf nicht in Frage kam (Hummels: „Bayern hätte mich nicht verkauft“), entschied sich der U21-Nationalspieler für einen Wechsel auf Leihbasis nach Dortmund: „Der BVB ist ein großer Verein mit einer großen Vergangenheit und hoffentlich auch einer großen Zukunft“.
Der von Mats Hummels erhoffte Effekt hat sich eingestellt: In dem neuen Umfeld in Dortmund wird ihm ein „anderer Respekt“ entgegengebracht. Das Talent kann zu einem gestandenen Bundesligaspieler reifen. „Es ist so gelaufen, wie ich es mir erhofft hatte“, betont Hummels. Da auch der BVB von dieser Entwicklung profitiert, werden es viele bedauern, wenn sich die Wege nach dieser Saison schon wieder trennen sollten. Denn Mats Hummels muss wohl zurück nach München. Soweit will der 19-Jährige (noch) nicht denken. Für ihn zählt die Gegenwart – und die ist Schwarzgelb: „Ich identifiziere mich voll und ganz mit dem BVB.“
STÄRKEN
Trotz seiner erst 19 Jahre agiert Hummels sehr routiniert und verfügt bereits über ein exzellentes Stellungsspiel. Wegen seiner Ballsicherheit und spielerischen Fähigkeiten ist er nicht nur als Innenverteidiger, sondern auch im defensiven Mittelfeld einsetzbar. U21-Nationaltrainer Dieter Eilts attestiert ihm besondere Stärken „im Zweikampf wie im Spielaufbau“. Wegen seiner Größe und Fähigkeiten beim Kopfballspiel stellt Hummels gegnerische Angreifer auch in der Luft vor Probleme.
Hummels gilt darüber hinaus als sehr torgefährlich, auch wenn er für den BVB (noch) nicht getroffen hat. „Deswegen bin ich ein wenig frustriert“, so Hummels.
SAISON-RÜCKBLICK
Mats Hummels spielte in seiner ersten Halbsaison beim BVB als rechter Verteidiger, im zentralen defensiven Mittelfeld und auf seiner eigentlichen Position in der Innenverteidigung. Er löste seine Aufgaben absolut zufriedenstellend. Seine Leistungen in den Partien gegen Karlsruhe (1:1), Stuttgart (3:2) und Wolfsburg (2:4) wurden von den Redakteuren des kicker-Sportmagazins sogar mit „gut“ bewertet. Am Mann agierte der Youngster konsequent. Mit einer Erfolgsquote von 65,1 Prozent war er Borussias drittbester Kopfballspieler nach Kovac und Kehl. Und auch am Boden (59,3%) waren nur drei Teamkollegen stärker. Dabei kam Hummels mit nur zwölf Fouls aus. |