Alles rund um den BVB - Felipe Santana

 

KARRIERE

Im Alter von 22 Jahren wagt Felipe Santana den Sprung in eine andere (Fußball-)Welt. Doch der junge Mann sieht sich als reif genug an, eine neue Kultur kennen zu lernen und hofft, sich mit Hilfe seiner Landsleute Dede und Tinga recht schnell in Deutschland einleben zu können: „Alles, was ich als Profi bisher getan habe, war auf dieses Ziel ausgerichtet. Ich bin bereit für Dortmund.“ Deshalb verzichtete er nach Vertragsabschluss auch zugunsten einer angemessenen Regeneration auf weitere Einsätze für seinen Klub Figueirense FC und kommt – anders als Tinga vor zwei Jahren, der sich direkt nach dem Endspiel um die Copa Libertadores in den Flieger setzte – ausgeruht nach Dortmund: „Es wurde bei den Vertragsgesprächen so vereinbart, dass ich sofort aufhöre.“

„Wir haben ihn monatelang genau unter die Lupe genommen, uns mit ihm und mit seiner Familie getroffen und ihn ausgiebig im Training und im Spiel beobachtet“, erklärt Sportdirektor Michael Zorc. Außerdem waren die BVB-Brasilianer Tinga und Dede in den Transfer eingeweiht. „Der erste Anrufer war Tinga“, verrät Santana: „Er schwärmte von der fantastischen Unterstützung der Fans.“ Auch über die Bundesliga zeigt sich der Neuzugang informiert: „Das ist eine berühmte Liga. Nicht nur in Deutschland, auch in Brasilien und in anderen Ländern. Ich weiß, dass vor allem Disziplin zählt und ich meinen Stil den Gegebenheiten anpassen muss. Und ich weiß, dass in der Bundesliga weniger Fouls als in Brasilien begangen werden.“

Michael Zorc kam mit dem Transfer des 1,92 Meter großen Abwehrspielers den Einkäufern von Botafogo, Flamengo und dem FC Sao Paulo – dem FC Bayern Brasiliens – zuvor. Die Ablösesumme liegt im Bereich von knapp über zwei Millionen Euro, Santana unterschrieb einen Fünf-Jahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2013. „Das war die beste Wahl im richtigen Moment. Es war immer ein Traum für mich, in Europa zu spielen, um dort meine Ziele zu verwirklichen“, sagt Santana – und diese liegen auf internationalem Terrain: „Mein nächstes Ziel als Profi ist ein Platz in der Selecao. Oder im brasilianischen Olympia-Team. Erst recht, nachdem ich der jüngste Kapitän in unserer Meisterschaft war. Für mich gilt es jetzt, so schnell wie möglich den Sprung in die Startelf der Borussia zu schaffen.“ Die Chancen dazu sind da. Jürgen Klopp: „Wenn Santana in Brasilien mit nur 21 Chef und Kapitän seiner Mannschaft gewesen ist, spricht das für ihn.“

Die lange Vertrags-Laufzeit bis 2013 verdeutlicht, dass es sich beim Brasilianer a) um einen „Rohdiamanten“ handelt, der aber b) noch „geschliffen“ werden muss. Soll heißen: Wunderdinge erwartet man sich beim BVB nicht vom ersten Tag an. Entdecker Zorc warnt jedenfalls mit dem Hinweis auf das Alter des schlaksigen, schnellen, kopfballstarken und aggressiven Profis davor, die Erwartungen ins Uferlose schießen zu lassen: „Er ist sehr jung. Er bringt sehr viel mit. Er geht ab wie eine Gazelle. Aber in Deutschland wird ein anderer Fußball gespielt. Deshalb sollte man ihm nicht gleich beim ersten Fehler den Kopf abreißen.“

Der in Rio Claro (18.000 Einwohner im Bundesstaat Rio de Janeiro) geborene Felipe Santana startete seine Karriere im Jahr 2005 bei Figueirense Futebol Clube in Florianópolis, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Santa Catarina. In der vergangenen Saison war er beim Serien-Staatsmeister und brasilianischen Pokalfinalisten von 2007 Bestandteil der viertbesten Liga­Defensive (44 Gegentore in 38 Partien). Doch Santana ist kein „Zerstörer“. Über sich selbst sagt er: „Tempo und Explosivität sind meine besten Eigenschaften. Und ich schalte mich gerne mit in die Offensive ein. Auch wenn wir verschiedene Rollen spielen: Ich liebe es, Lilian Thuram zuzuschauen. Aber auch Juan und Lucio imponieren mir. Ein anderer Spieler, den ich bewundere, ist Paolo Maldini.“

STÄRKEN

Der sprung- und sprintstarke Santana wird von Experten mit dem früheren BVB-Star Julio César und aktuell mit Bremens Abwehr-As Naldo verglichen. „Vielleicht ist er sogar noch etwas aggressiver“, meint Dede, der ihm die Eingewöhnung in Dortmund erleichtern soll. Gleichwohl billigt Zorc dem Neuzugang eine Phase der Akklimatisierung zu und erklärt: „Auch Naldo hat eine gewisse Zeit gebraucht.“ Für Felipe Santana spricht fraglos, dass er bereits mit 21 Jahren Mannschaftskapitän und damit Führungsspieler seines Teams geworden ist. Als Abwehrspieler strahlt er eine bemerkenswerte Torgefährlichkeit aus: In 37 Pflichtspielen traf er fünf Mal.
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